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Eine andere Kulturpolitik ist nötig/möglich – Gedanken dazu von Hubsi Kramar

Dass eine ANDERE Kulturpolitik nötig ist, leitet sich daraus ab, dass die Verhältnisse, unter denen Menschen bisher gelebt und gearbeitet haben, den Bedingungen und Regeln der Herrschenden unterworfen sind. Freiheit ist eben ein sehr relativer Begriff und von sehr vielem abhängig. Die herrschende, neoliberale Politik macht Bedingungen auch für uns KünstlerInnen laufend schwieriger. Es ist daher notwendig, darüber nachzudenken und daran zu arbeiten, diese Verhältnisse, zu unseren Gunsten, zu verändern.

Was haben wir für Möglichkeiten? Die eine ist, sich so frei zu machen von den gesellschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen, dass man mit der größtmöglichen Fantasie Kunst macht, die sich selbst befreit hat. Kunst machen – „Kunst und Macht“. KUNST IST MACHT. Wer sich wirklich dessen bewusst ist, dass Kunst auch Macht ist, der oder die hat damit ganz andere Möglichkeiten. Deshalb setzen die Mächtigen immer alles daran, sich die Kunst zu unterwerfen. So oder so. Je höher das Bewusstsein eines Künstlers oder einer Künstlerin ist, umso mehr Macht hat er oder sie. Umso mehr weiß sie/er, wie die Verhältnisse zu benutzen sind.

Realpolitisch sieht es so aus, dass Kunst und Kultur für die politisch Mächtigen und Herrschenden, wenn es um demokratische Strukturen der Förderung geht, als letztes vorkommt. Sowohl in der realen Behandlungdieses Themas, als auch in den ökonomischen Konsequenzen. Tatsächlich sind es jedoch nicht die PolitikerInnen dieses Landes, die Österreich in der Welt einen guten Ruf verschaffen. In den letzten Jahrzehnten sind es die KünstlerInnen und SportlerInnen, die den positiven Ruf Österreichs in der Welt begründen. Würden wir nach der Bedeutung, die wir diesem Land in der Welt verschaffen, gefördert und bezahlt werden, dann wäre das Budget von Kunst und Kultur an erster und nicht an letzter Stelle. Außer peinlich anbiedernden Lippenbekenntnissen oder heuchlerisch roten Teppichen erleben wir doch nur das permanente Versagen dieser politisch Verantwortlichen, genauer gesagt Unverantwortlichen. Und darin liegt auch dieses extrem Eklige. Das Unbehagliche ist, dass alles, was ich dazu sage, untertrieben ist.

Was ich aus vollem Herzen erlebe, ist, dass mich all die großartigen Leistungen österreichischer KünstlerInnen mit unbeschreiblicher Freude erfüllen. Dass diese Leistungen nicht wegen, sondern gegen all diese Schwierigkeiten erbracht worden sind. Und ich weiß, wovon ich spreche. Ich weiß, was das für selbstausbeuterische Arbeit es ist, wenn man als KünstlerIn arbeiten und sich entfalten möchte. Daher fühle ich mich nicht nur den erfolgreichen KünstlerInnen verbunden, sondern allen, die diese Schwierigkeiten auf sich nehmen, trotzdem an sich glauben und gegen alle Widerstände weitermachen. Denn letztendlich ist es auch immer wieder der Kampf für die mindesten Menschenrechte auf Freiheiten wie Arbeit und Würde jedes/jeder Einzelnen, das zu tun, was Herz und natürlich auch Hirn wünschen und wollen. Ich bin auf jeden Menschen, welcher sich nicht den Regeln der Herrschenden unterwirft, stolz. Alle anderen tun mir leid, da sie es nicht schaffen, dem Hamsterrad sklavischer Unterwürfigkeit und menschenverachtender Arbeitsbedingungen zu entkommen.

In diesem Dilemma befindet sich aber auch die Türe zum Möglichen. Nicht mitzumachen. Sich dessen bewusst zu werden und zu sein, was einem die untrügliche innere Stimme sagt, wenn wir lernen auf uns zu hören und dem folgen, was wir wollen. Es ist doch die Freiheit, um die es geht. Und die Freiheit muss stets von neuem erkämpft werden. Nicht nur die Freiheit von der Gesellschaft und deren Gepflogenheiten, sondern auch von den eigenen Unterdrückungsmechanismen. Ich behaupte und danach habe ich auch gelebt: Es ist viel leichter zu leben, wenn man/frau sich nicht unterwirft. Die andere Option, sich nicht zu verwirklichen, ist eine Art Hölle. Das ist die Möglichkeit jedes/jeder Einzelnen.Einfacher wäre es aber, wenn wir gemeinsame Strategien entwickeln.

Wenn das politische Bewusstsein eines großen Teiles der Künstlerinnen und Künstler dergestalt wäre, dass sie gemeinsam, also SOLIDARISCH, handeln würden, würde es anders ausschauen. Wie wir wissen, ist der Konjunktiv aber würdelos.

Ohne Solidarität, ohne ein gemeinsames Konzept und gemeinsames Vorgehen sind wir wehrlos den Machenschaften ausgeliefert. Wir wissen es zwar: Gemeinsam sind wir stärker. Trotzdem versagen wir in diesem Punkt immer wieder. Nach dem Motto: „Teile und herrsche“ handeln unsere politischen Verantwortlichen genauso wie die alten Römer. Das Problem dabei ist nur – ich spreche aus langjähriger Erfahrung –, dass nicht viele KünstlerInnen ein politisches Bewusstsein haben. KünstlerInnen, wie alle anderen Menschen auch, lassen sich sehr einfach gegeneinander ausspielen. Feigheit und Gier sind eben sehr stark in uns festgelegt.

Wir haben Interessensvertretungen, und es war ein schwerer und langer Kampf, dass es diese gemeinsamen Organisationen wie IG Kultur, IG Autorinnen Autoren oder IG Freie Theaterarbeit etc. überhaupt gibt. Es liegt an uns, wie wir diese Organisationen stärken. Es geht im Wesentlichen darum, diese IGs als Werkzeuge zu begreifen und sie nicht nur zu nutzen, sondern sie auch zu stärken. Aber sie nicht nur zu nutzen, wenn wir sie persönlich brauchen, sondern auch Energie dafür einzusetzen und unsere Kreativität zu entfalten für unser Gemeinsames. Als solches verstehe ich auch den Innovationspreis der freien Kulturszene, den die IG Kultur Wien ins Leben gerufen hat und welchen sie nun zum siebenten Mal vergibt. In diesem Preis vereinigen sich das Persönliche und Gemeinsame. Wunderbar ...


Hubsi Kramar ist Schauspieler, Produzent, Regisseur und Aktivist.


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