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Günther Friesinger, Frank Apunkt Schneider: Kulturpolitik, nicht österreichische Kulturpolitik

Die Kulturpolitik, mit der wir uns als freie Kunstschaffende in Österreich beinahe täglich konfrontiert sehen, hat wie so vieles hierzulande eine lange und durchaus selbstzweckhafte Tradition. In ihr kommt eine typisch österreichische Politikvorstellung zum Ausdruck, die viel über die Menta lität der politischen Klasse oder besser: Kaste einer Republik verrät, die ein mit folkloristischen Partizipationselementen aufgehübschter Obrig keitsstaat geblieben ist. In Österreich geht nämlich alle Macht vom Volks tümlichen aus, das niemals vergisst, wo sein Platz ist und das seinen gewählten Vertreter_innen nicht ins Gehege kommt.

Politik wird hier noch immer als Äußerungsform der Macht verstanden, als geeignetes Medium, um eigene Interessen in den Rang einer öffentlichen Angelegenheit zu erheben. Politische Willensbildung findet oben statt und wird nach unten durchgereicht. „Demokratie“ mag als Lippenbekenntnis eine Rolle spielen, weil sie Zugang zum europäischen Wirtschaftsraum verschafft. Als Selbstverpflichtung begreifen sie die Protagonist_innen der österreichischen Politik aber wohl doch eher selten.

Insbesondere Kulturpolitik gibt sich dabei auch heute noch als jenes Herrschaftsinstrument zu erkennen, als das sie einmal von der k. u. k Monarchie erfunden wurde. Diese kam erstmals auf die Idee, Kultur gezielt zu fördern; freilich nicht aus Interesse an ihr oder aus Sorgeum die Kulturschaffenden, die oftmals unter miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen litten. Dennoch war die Angst vor der Kultur, als einem möglicherweise aufmüpfigen und schwer kontrollierbaren Milieu, stärker als die gute alte Ignoranz. Dass sich die Subalternen miteinander solidarisieren, musste mit allen zur Verfügung stehenden Finanzmitteln verhindert werden. Dass Geld befriedet und spaltet, ist Leitgedanke der österreichischen Kulturpolitik geblieben, wie sehr sich ihr Rahmen auch immer gewandelt haben mag. Sie inszeniert sich auch heute als jene freigiebige Hand, die zu beißen sich verbietet, und die darauf baut, dass große Häuser viel zu verlieren haben und sich über ein System der institutionalisierten Zuwendung wirkungsvoll kontrollieren lassen. Kulturbeamt_innen erschaffen sich auf diese Weise jene verbeamtete Kultur, die ihnen entspricht. Sie weiß, dass es sich bezahlt macht zu dienen, nicht zuletzt zum Zwecke jener Selbstdarstellung, die hierzulande Staatsraison ist. Nichts repräsentiert Österreich besser als seine kulturellen Institutionen. Sie verwandeln jenen Untertanengeist und Opportunismus, die hier noch immer eine Sache des gesunden Menschenverstands sind, in untertänige und opportunistische, sprich: in österreichische Kultur.

Auf der Strecke bleiben dabei all jene, die nicht ins außenwirksame Bild passen. Abseits der staatstragenden Häuser existiert seit vielen Jahren mehr schlecht als recht die so genannte „Freie Szene“. Sie vermittelt eine Vorstellung davon, wie eine offene demokratische Gesellschaft aussehen könnte, mit der die herrschende Kulturpolitik allerdings nur wenig anfangen kann. Vermutlich lassen sich deren Vertreter_innen daher so selten bei Veranstaltungen der Freien Kulturszene blicken. Und wozu auch? Schließlich lässt sich die Freie Szene weder für die Tourismuswerbung ausschlachten, noch gewinnbringend in jene persönlichen Netzwerke einspeisen, die das politische Leben in Österreich bestimmen. Österreichische Kulturpolitik hat mit der Freien Kultur nichts zu gewinnen. Die Modelle demokratischer Teilhabe, die dort verhandelt werden, dürften ihren Horizont ohnehin übersteigen.

Die Freie Szene ist auf eine ausgesprochen unösterreichische Weise politisch: Sie äußert sich zu jenen Verhältnissen, in denen sie um ihr Überleben kämpft und sie erhebt den Anspruch auf Inklusion und Partizipation. Die Politikvorstellung, die uns in ihren Projekten begegnet, versteht Politik nicht als Herrschaftsinstrument, sondern als bedingungslose und uneigennützige Unterstützung, als Form der Anerkennung – nicht von Unterwürfigkeit, sondern von Andersartigkeit.

Ein solches Politikverständnis könnte Grundlage für eine neue Kulturpolitik sein: eine, die in erster Linie jene fördert, die jenseits institutioneller Einbettungen arbeiten und gerade deswegen besonders schutzbedürftig sind; eine, die Kultur nicht machen, sondern ermöglichen will – ohne zu rechnen, was dabei nun eigentlich für sie herausspringt; vor allem aber eine, die aufhört zu kontrollieren und endlich wieder lernt zu staunen, zum Beispiel darüber, was alles entsteht, wenn sie Bedingungen schafft, in denen überhaupt etwas entstehen kann, ohne selbst wiederum Bedingungen daran zu knüpfen. Was im Rahmen einer solchen Kulturpolitik möglich wäre, lässt sich natürlich nicht vorhersagen; aber müsste nicht genau das der Sinn einer Kulturpolitik sein: sich einfach mal überraschen lassen? Die wäre dann freilich keine österreichische mehr, sondern einfach nur: Kulturpolitik.

Günther Friesinger ist Künstler, Kurator, Lektor, freier Medienmacher und Produzent.
Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler, Autor und selbsternannter Poptheoretiker.


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