Wagenplatz wieder neu
Zum wiederholten Mal ist der Wagenplatz in Wien übersiedelt, zum wiederholten Mal unfreiwillig. Denn Ende März lief der Mietvertrag für den "Winterstandort" aus. Von der Ausstellungsstraße zogen die Wägen nicht unweit auf ein Grundstück bei der Trabrennbahn Krieau. Dieses Gelände dürfte der Stadt gehören. Damit gibt es einen Hoffnungsschimmer, der für die Zukunft eines fixen Wagenplatzes positiv gewertet werden kann.
Seit 2007 existiert in Wien ein Wagenplatz, ein Platz an dem Menschen die in Wägen wohnen wollen eine Heimat finden. Der ursprüngliche Ort musste aufgrund falscher Flächenwidmung aufgegeben werden. Seit damals versuchen die BewohnerInnen einen alternativen Standort zu bekommen und verhandeln mit der Stadt Wien. Wobei wichtig zu betonen ist, dass es nicht um ein Geschenk oder eine Besetzung geht, die WagenbewohnerInnen sind gerne bereit Miete zu zahlen. Vergangenen Sommer hat sich die Gruppe sogar aufgeteilt, es wurden mehrere Plätze bewohnt, auch neue WagenbewohnerInnen kamen dazu. Ein Grund mehr fixe Wagenplätze zu etablieren und deren Realisierung zu unterstützen.
Im Sinne einer modernen, internationalen Großstadt sind sichere Wagenplätze definitiv zu verwirklichen, in anderen europäischen Städten sind diese seit langem nicht mehr wegzudenken. Wien würden Wagenplätze sicher auch ganz gut stehen.
http://wagenplatz.at/
April 2010
Geänderte Förderrichtlinien der MA 7 - Mehr Bürokratie und Intransparenz
2008 prüfte das Kontrollamt der Stadt Wien die Umsetzung der Kontrollamtsempfehlungen im Bereich der Magistratsabteilung 7 -- Kultur. Seitdem hat die MA 7 schrittweise die Empfehlungen des Kontrollamtes umgesetzt. Dabei ist für die Kulturschaffenden eine steigende Bürokratisierung bemerkbar sowie eine Verschlechterung der Transparenz bei der Subventionsvergabe.
Der gesamte Subventionsantrag muss seit 2009 neu gestellt werden, wenn die MA 7 nur einen Teil der beantragten Subvention zuerkennt, obwohl im Kontrollamtsbericht nur eine angepasste Kalkulation gefordert wird. Dies führt in der Folge auch dazu, dass weder der Kulturausschuss noch der Gemeinderat über den eigentlichen Bedarf an kulturellen Förderungen informiert ist. Durch Ergänzung des ursprünglichen Förderbetrags auf dem Antragsformular -- das dem Kulturausschuss vorgelegt wird -- kann mit etwas Fantasie diese Differenz allerdings sichtbar gemacht werden.
Bei den Abrechnungen der Kulturprojekte wird nun zusätzlich eine detaillierte Belegaufstellung verlangt. Hier stellt sich vor allem bei kleinen Projekten die Frage ob der bürokratische Aufwand in einem sinnvollen Verhältnis zur gewährten Subvention steht und ob nicht auch innerhalb der MA 7 dabei ein Mehraufwand verursacht wird.
Kontrollamtsbericht 2008 über die MA 7:
http://www.kontrollamt.wien.at/berichte/2008/lang/02-06-KA-I-K-1-7.pdf
März 2010
Zur "Jugend-" "Kultur" Politik - Cash for Culture
Seit zwei Jahren versucht die Stadt Wien unter dem klingenden Titel „Cash for Culture“ mittels einfacher Fördervergabe Geld (max. 1000 €) für "Jugendliche" Kultur Projekte bereitzustellen. Das Projekt, ausgehend von der Stadt Wien (MA13) läuft finanziell/administrativ ausgelagert über die Basis.Kultur.Wien (ehemaliger Verein Wiener Volksbildungswerk) und geht 2010 ins dritte Jahr.
Nach oftmaliger Kritik daran, dass Cash for Culture nur Menschen bis zu Beginn des 20. Lebensjahres Geld zur Verfügung stellt, wurde die Altersgrenze nun auf 23 Jahre heraufgesetzt. Das ist ein erster Schritt, der aber nicht zuletzt auch durch die fehlende Ausschöpfung des Topfes im Jahr 2009 (jährlich stehen € 80.000,- zur Verfügung) motiviert sein mag. Die Anhebung der Altersgrenze auf 30 Jahre, einer Altersgrenze, die der EU-Definition von "Jugend" entsprechen würde, sollte der nächste Schritt sein.
Leider scheinen MA13 und mit Cash for Culture verbundene Organisationen Probleme zu haben, die vorhandenen Fördergelder an alle relevanten Zielgruppen zu vermitteln, Jugendliche mit migrantischem Hintergrund z. B. werden kaum erreicht.Offen bleibt zudem die Antwort der Stadt wie Projekte, die einen Rahmen von 1.000 € sprengen und kulturell-partizipativen Anspruch haben, gefördert werden sollen. Auch können nur Einzelpersonen im Rahmen von Cash for Culture ansuchen, ein Modus, der einer Vernetzung von jungen Kunst- und Kulturschaffenden entgegenwirkt und keinesfalls deren Zusammenschluss fördert. Fragliches gibt es auch im Kontext der (verpflichtenden) Coaches, die bereitgestellt werden. Abgesehen, von einer oftmalig längeren Wartezeit auf Antworten für Termine, bekommen diese keinen Cent für ihre Tätigkeit und müssen diese im Rahmen ihrer jeweiligen Jobs abwickeln.
Von einer adäquaten finanziellen Förderung von "Jugend"- Kultur seitens der Stadt Wien kann also noch lange keine Rede sein.
Februar 2010
Kulturbudget der Stadt Wien - Kommentar zum Voranschlag 2010
Alle Jahre wieder nimmt Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die Budgetdebatte im Wiener Gemeinderat zum Anlass sich über „[d]ie neuerliche Erhöhung des Wiener Budgets für Kultur und Wissenschaft“ zu freuen. "Dass uns im Jahr 2010 im Bereich der Kultur und Wissenschaft 236,6 Millionen Euro, also 2,59 Prozent mehr als im Vorjahr, zur Verfügung stehen, ist ein deutliches Zeichen für die wichtige Rolle, die Kultur in dieser Stadt einnimmt", stellte Mailath weiter fest. (Rathauskorrespondenz, 24.11.2009)
Leider sind die Zahlen, die Mailath-Pokorny hier erwähnt, nicht nachvollziehbar, denn der Budget-Voranschlag 2010 weist für den Bereich Kunst und Kultur 272,7 Millionen Euro aus. Grund dafür: Nicht der gesamte Kunst- und Kulturbereich der Stadt Wien fällt in die Ressort-Zuständigkeit des Kulturstadtrates. Es mag sein, dass die Zahlen, die Mailath-Pokorny hier nennt, seiner Ressort-Zuständigkeit entsprechen – nicht der gesamte Kunst- und Kulturbereich der Stadt, wie er im Budget der Stadt Wien angeführt ist, zusätzlich aber der Bereich Wissenschaft, also MA 7, MA 8 und MA 9 –, und so in etwa auch im Kulturbericht publiziert werden. Vernachlässigt werden dabei jedoch die Kulturausgaben für Mode-, Kunst- und Musikschulen, für die Büchereien, für Kunst im öffentlichen Raum und anderes.
Laufende Veränderungen in der Verwaltungsstruktur (z. B. geänderte Zuständigkeiten) oder geänderte Budgetzuordnungen (buchhalterische bzw. kameralistische Änderungen) machen Vergleiche (z.B. tatsächliche Budgeterhöhungen) schwierig bis unmöglich. Ein aktuelles Beispiel ist dabei das Haus der Musik, das bisher über den Finanzausschuss abgewickelt – und auch dort budgetiert wurde - und nun über den Kulturausschuss.
Es wäre zu wünschen, dass in Zukunft endlich über alle Kulturausgaben im Kulturbericht der Stadt Wien berichtet wird, damit die von den Bundesländer Mitte der 90er Jahre entwickelte LIKUS Systematik (Länderinitiative Kulturstatistik), die auf einer einheitlichen Definition beruht und Vergleiche ermöglicht, sinnvoll angewandt werden kann. Im übrigen sollte der Kulturbericht der Stadt Wien auch wieder in gedruckter Form und nicht nur digital zur Verfügung stehen.
Wien-Budget 2010 - Mailath: Gestärktes Wiener Kulturbudget in schwierigen Zeiten
Rathauskorrespondenz vom 24.11.2009:
http://www.wien.gv.at/vtx/rk?S=020091124019
Kunst- und Kulturberichte der Stadt Wien bis 2008 als Download: http://www.wien.gv.at/kultur/abteilung/kunstbericht.html
Voranschläge und Rechnungsabschlüsse der Stadt Wien als Download:
http://www.wien.gv.at/finanzen/budget/
Februar 2010
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